Yunis Al-Jamal

«Dann war ich reif für Zürich»
Sein Lebenslauf sprüht vor Eleganz: Yunis Al-Jamal ist Chef de Rang im Widder Restaurant in Zürich, war davor als Assistant Restaurant Manager im Zürcher La Réserve Eden au Lac und als stellvertretender Restaurantmanager im Grandhotel Belvedere in Davos tätig. Eine elegante Kooperation konnte Al-Jamal auch fürs Finale des marmite youngster eingehen – mit dem Zürcher Tafelservice-Anbieter Meister. Sie verschaffte ihm Zugriff auf ein luxuriöses Sortiment. «Einen Tisch schön zu decken kostet schliesslich etwas», so der Servicefachmann. Er ist überzeugt, dass es sich gelohnt hat: «Mein Tisch war sehr durchdacht und eine Hommage ans Widder Hotel.» Insbesondere an Widder-Küchenchef Stefan Heilemann, für den der 27-Jährige einen Riesenrespekt verspürt.
Zu Beginn des Wettbewerbs, erzählt Al-Jamal rückblickend, habe er auf ein Startsignal gewartet. «Aber nach zwei, drei Minuten startete ich meine Arbeit, obwohl die Tischgesellschaft noch nicht komplett war.» Als Aperitif servierte er den Drink «Matterhorn», eine Kreation von Widder-Bar-Manager Wolfgang Mayer. Ausserdem konnte Al-Jamal seine Gäste mit hauseigenem Gin, Ricola-Espuma und Verjus beeindrucken.
Al-Jamal liebt die Arbeit am Tisch, nahe beim Gast. «Es ist angenehm, wenn die Gäste wissen, was sie wollen. Aber ich mag es auch, wenn sie wissen, was sie nicht wollen.» Der alten Schule des Servierens verleiht der marmite-youngster-Finalist gern eine Lockerheit, mit der aber auch anspruchsvolle Gäste umgehen können. Und er hat ein feines Gespür: Manche Gäste wollen ihre Ruhe, andere hingegen unterhalten werden. «Je länger man im Job ist, desto einfacher trifft man diesen schmalen Grat.»
Eine weitere Beobachtung des jungen Talents im Alltag: Nicht alle Gäste essen in Begleitung. Der Solo-Dining-Trend sei auch im Widder erkennbar: Während es bei den Hotelgästen durchaus Usus sei, allein am Tisch zu sitzen, gebe es jeden Abend auch zwei, drei Tische mit externen Gästen, die unbegleitet dinieren. Viele wünschten sich trotzdem keine Bespassung vom Service, sagt Al-Jamal, der den Trend auch privat kennt: Sein Mitbewohner und bester Freund Benedikt Bohner, der ebenfalls im Widder arbeitet, geht oft allein essen. «Mich lässt er dann daheim sitzen», witzelt Al-Jamal.
Das Servicehandwerk erlernte der Finalist im Steigenberger Inselhotel in Konstanz. Von dort ging es in Sternelokale, etwa zu Fabrice Kieffer ins Les Deux in München. «Er hat mich innert einem Jahr unglaublich geprägt und mir das Thema Wein nähergebracht.» Al-Jamal ist ein Planer: Nach der Ausbildung wollte er eine Wintersaison erleben, einen Arbeitsaufenthalt in Amerika machen und in einem Sternebetrieb arbeiten. «Dann war ich reif für Zürich.» Nur weil er dieses Ziel erreicht hat, bleibt er aber nicht stehen: Dieses Jahr folgten der Sommelierabschluss und eine Sake-Prüfung.

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