Niklas Breithaupt

«Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen»
Als Niklas Breithaupt Ende 2022 in die Schweiz zog, erfüllte er sich einen kleinen Traum – und heuerte im Zürcher Baur au Lac an. «Seit ich in der Gastronomie arbeite, wollte ich unbedingt einmal in einem Grandhotel arbeiten.» Et voilà: Hier war er, stieg als Chef de Rang in der Brasserie ein – und absolvierte parallel die Sommelierschule in Koblenz. Nach dem Service am Freitagabend setzte er sich jeweils ins Auto, fuhr nach Deutschland, besuchte samstags und sonntags den Unterricht – und reiste anschliessend wieder zurück nach Zürich. «Ich wollte das halt unbedingt!»
Heute amtet Breithaupt, der im Süd-schwarzwald aufgewachsen ist, im Hotel Baur au Lac als Sommelier – und beschert dem Haus seinerseits Renommee. So trug er Mitte Oktober zum Beispiel die prestigeträchtige Auszeichnung Bester Sommelier Deutschlands 2025 in die Schweiz. «Wettbewerbe sind für mich eine Momentaufnahme», sagt das Nachwuchstalent, «sie zeigen, wo ich gerade stehe.» Beim marmite youngster trat er zum zweiten Mal an. In der Ausgabe 2025 belegte er den dritten Platz. «Damals machte ich just for fun mit – und erreichte überraschend das Finale», erinnert sich Breithaupt. Und sagt an: Dieses Jahr wolle er seine Platzierung verbessern. Ehrgeizig? Der junge Mann lacht. «Ich bin, was mich betrifft, relativ schwer zufriedenzustellen», räumt er ein. «Besser geht immer! Man darf sich selbst aber trotzdem nicht zu ernst nehmen.»
Dass sich Breithaupt ausgerechnet ins Thema Wein vertieft, kommt derweil nicht von ungefähr. Dem Nachwuchstalent wird es nämlich schnell langweilig. «Und dieses Feld schöpft sich einfach nie aus; da gibt es immer Neues, entwickelt sich ständig etwas, ist so viel Tiefe», schwärmt er. «Ich kann in diesem Bereich nie alles wissen.» Das sei ihm nicht zuletzt am Finaltag des marmite youngster wieder bewusst geworden.
Es ist aber nicht nur die schiere Unendlichkeit der Materie, die Breithaupt fasziniert, sondern auch das Produkt an sich. Er erzählt von seinem ersten Glas Champagner, das er als Dreijähriger auf der Silvesterparty runterkippte – weil er es für Apfelschorle hielt. «Ich fand das so schlimm, dass ich weinend zu meinen Eltern rannte.» Jahre später fand er zunehmend Gefallen – und stellte sich eines Tages die Frage: Warum schmeckt Wein eigentlich, wie er schmeckt? «Damit war mein Interesse geboren.» Dass er sich heute beruflich damit befasst, entschied sich später. Bevor es ihn in die Gastronomie verschlug, hatte Breithaupt nämlich ein Studium in Medizintechnik begonnen – und wieder abgebrochen.
Am Gastgewerbe, sagt der Finalist, möge er den menschlichen Kontakt. «Und dass ich mit Wein arbeiten kann, ist für mich der Jackpot!» Vor allem aber bringe eben jeder Tag im Restaurant etwas Neues, sei nicht vorhersehbar. Und das heisst in der Summe auch: Von Langeweile keine Spur!

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