Leonie Jana Oeschger

7132 Silver, Vals

«Ich verlasse mich gern auf meinen Charme»

Dass die Menschen in ihrer Umgebung sie früh als Tausendsassa bezeichneten, erstaunt nach einer ersten Begegnung auch heute nicht wirklich: Leonie Jana Oeschger sprüht vor Lebensfreude und Energie – und packt beherzt an, was es anzupacken gibt. Das habe sie eben schon als Jugendliche getan, und zwar besonders gern auf dem Weingut in ihrem Dorf, erzählt die 26-Jährige. Dort habe sie ihre Vorliebe für Wein, aber auch für die Hospitality entdeckt – während sie Wein verpackte und verkaufte, die Wohnung putzte, Mittagessen kochte und dazwischen die nächste Verkostung vorbereitete. «Ich war überall am Start, das liegt in meiner Natur.»

Nach dem dualen Hotelmanagement-Studium in Dresden und einem Onologiepraktikum auf einem Weingut in der Pfalz zog Oeschger in die Schweiz, erst nach St. Moritz, schliesslich nach Vals. Hier, im 7132 Hotel, fungiert sie inzwischen als Gastgeberin des Restaurants 7132 Silver – und beweist einmal mehr eindrücklich, dass in ihr eine Allrounderin steckt, die längst nicht nur, aber eben auch die erste Ansprechpartnerin im Gastraum ist, wenn es ums Thema Wein geht.

Was sie ausgerechnet daran reizt, kann die marmite-youngster-Finalistin klar benennen: «Die unterschiedliche Wirkung, die Wein haben kann – je nachdem, wer ihn wo mit wem geniesst.» Nebst dem Fachwissen – «Wein ist ja ein totales Nerd-Thema!» – sieht Oeschger ihre Aufgabe denn auch vor allem darin, die Gäste zu lesen und auf Anhieb zu verstehen, welcher Wein diese glücklich macht. «In diesem Moment, an diesem Ort, in dieser Gesellschaft.» Die quirlige junge Sommelière weiss um ihr Talent, attestiert sich selbst viel Empathie: «Ich kann Menschen schnell einschätzen.»

Beim marmite youngster habe ihr das allerdings nur bedingt geholfen, räumt sie ein. «In diesem Rahmen war ja von Anfang an klar, wer die Gäste sind – und welche Weine es gibt.» Für Oeschger war es die Premiere im Wettbewerbswesen. «Ich sehe die Teilnahme deshalb auch in erster Linie als Reise und bin froh um all die Kontakte, die ich hier knüpfen kann», sagt sie. «Schliesslich sind Connections in dieser Branche unglaublich wichtig. Da kann ich vom marmite youngster voll profitieren.»

Am Ende des Finaltags wirkt die junge Frau entspannt. «Im Alltag verlasse ich mich gern auf meinen Charme», erzählt sie und schmunzelt.

«Beim marmite youngster stand für einmal aber wirklich nur das Handwerk im Fokus.» Der Wettbewerb habe ihr gezeigt, was sie wirklich gut könne – und wo es allenfalls noch Luft nach oben gebe. «Ich bin stark im Service, bei der Arbeit am Gast – aber wenn es ganz klassisch darum geht, Spirituosen blind zu erkennen, fehlt mir manchmal schlicht noch die Erfahrung», so Oeschger. Sie lacht. «Ich bin ein Baby-Nerd. Ein wissbegieriger Baby-Nerd!»

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