Laura Labarca

Restaurant Anna, Zürich

Sie macht Gäste zu Stammgästen

AIs kleines Mädchen hatte sie drei Berufsträume: «Tierärztin, wie das alle wollen. Dann Paläontologin, weil ich Dinosaurier richtig liebte. Und Barkeeperin.» Während ihres Studiums in spanischer Sprachwissenschaft verdiente Laura Labarca ihr Geld in der Gastronomie. Die Branche gab ihr Halt und gefiel ihr schliesslich so, dass das Studium in den Hintergrund geriet. Heute ist Labarca im Zürcher Restaurant Anna als Chef de Service tätig. Davor arbeitete sie im Sablier und studierte an der SHL in Luzern.

Am Finaltag des marmite youngster sah Labarcas Tisch minimalistisch aus, so wie sie es selbst gerne mag. Sie setzte ihn mit drei dekorativen Elementen in Szene: einer Lampe, die warmes Licht spendet und nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mit regionalen und lokalen Trockenblumen, zusammengestellt von ihrer Lieblingsfloristin. Und mit einer Vase voller Weinkorken, von denen jeder eine eigene persönliche Geschichte erzählt. Seit dem Wettbewerbsmontag krönt der Zapfen ihres Räuschling-Schaumweins, den sie den Gästen in der Hotelfachschule Zürich beim Aperitif kredenzte, die Sammlung.

«Ich mag es im Restaurant genau wie zu Hause ordentlich, und deswegen habe ich es nicht so gern, wenn Autoschlüssel, Handy und Portemonnaie auf dem Tisch liegen», sagt die 30-Jährige. «Am Wettbewerb war mir sehr wichtig, dass sich sowohl die Gäste als auch ich mich wie zu Hause fühlen.»

Labarca bezeichnet sich selbst als extrovertierte Introvertierte, die als Gast bei einem Apéro lieber zuerst auf Distanz geht und die Situation beobachtet. Beruflich sieht die Situation allerdings ganz anders aus. «Habe ich eine klare Aufgabe, blühe ich auf», sagt die Schweizerin mit chilenischen Wurzeln. Ihren Beruf als Gastgeberin liebt sie. Die Arbeitstage seien lang und anspruchsvoll, erzählt sie, aber sie mache ihren Job mit Herzblut.

Weil das Restaurant Anna nicht wirklich zentral gelegen ist, steuern es die Gäste gezielt an und wollen sich darauf einlassen. «Das ist Teil des Konzepts, auf das wir setzen», erklärt Labarca. Entsprechend sieht sie es als ihre wichtigste Aufgabe, aus jedem Gast einen Stammgast zu machen, jedes Erlebnis besonders und einzigartig zu gestalten. Mit schlecht gelaunten Gästen kann sie grundsätzlich umgehen: «Jeder Gast ist ein Mensch und jeder ist menschlich», sagt sie mit leuchtenden Augen.

Jeden Sonntagabend besucht Labarca mit ihrem Freund die Schwiegereltern, der Schwiegerpapa kocht. «Das ist eine schöne Tradition, der ich mich anschliessen durfte.» Solche Abende mit der Familie sind für sie sehr wichtig. Montags, wenn das Restaurant Anna geschlossen ist, bleibt sie gern daheim. Hier lädt sie ihre «social battery» am liebsten wieder auf; gemeinsam mit ihrem Freund beim Kochen oder Serienschauen. Ihre beiden schwarzen Katzen weichen ihnen dabei nicht von der Seite.

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