Kalina Yordanova

Storchen, Zürich

«Ich liebe den kulturellen Mix auf dem Teller»

Ein bulgarisches Kinder-Zmorge: Das bereitete Kalina Yordanova für die Wettbewerbsjury zu. Es besteht aus altem Brot, das in warme Milch oder Tee getunkt wird. «Für den marmite youngster habe ich das Gericht natürlich auf ein Erwachsenenlevel gehievt – und mit Rotwein gearbeitet», sagt die gebürtige Bulgarin. Sie wählte eine besondere lokale Rotweinsorte, mit der sie ihr Erbe würdigte, da ihr Heimatland grossen Wert auf Weinbau und Geschichte legt. Yordanova verfeinerte Espuma und Eiscreme mit Brotaroma und verwendete alle Teile der Weinrebe. Um der Jury ihre Gedanken verständlicher zu machen, hatte sie ein kleines Büchlein verfasst, in dem sie das Dessert und seinen kulturellen Hintergrund erläuterte.

Das ganze Dessert mit sämtlichen Komponenten übte die Finalistin genau einmal. Mehr Zeit hätte sicherlich geholfen, meinte Yordanova nach ihrem Wettbewerbsauftritt. Richtig stressig war für sie, dass der Ofen kein Fenster hatte. «Die karamellisierten Zuckerchips hätte ich sonst vielleicht zehn Sekunden früher herausgenommen.» Organisation, Vorbereitung, Perfektion und Sauberkeit – diese Werte sind Yordanova wichtig. Sie orientiert sich weniger an bekannten Berufskollegen oder -kolleginnen, sondern lässt sich vielmehr von Desserts aus berühmten Restaurants inspirieren. Yordanova ist seit zwei Jahren Chef de Partie im Hotel Storchen in Zürich und hat davor ihren Bachelor an der BHMS Luzern absolviert. «Eigentlich bin ich gelernte Köchin, habe mich aber beruflich umorientiert, weil meine wahre Leidenschaft die Patisserie ist.» Auch heute noch hilft ihr das Kochdiplom dabei, die Brigade in der Küche besser zu verstehen und immer mal wieder einzuspringen. Die Wochen vor dem marmite youngster waren für Yordanova stressig. Sie und ihre Kollegin Nadia Auer, die ebenfalls im Wettbewerb antrat, hatten die arbeitsreiche Saison im Hotel Storchen zu bewältigen und viele Aufgaben zu übernehmen. Immerhin unterstützten sich die beiden gegenseitig als Team. Yordanova sagt über Auer: «Ich bin froh, dass wir zusammen üben konnten.»

So sehr die Patissière ihren Job liebt: Manchmal empfindet sie die Arbeitszeiten als störend, weil wenig Freizeit übrig bleibt. «Wenn man jung ist, ist es einfach, so viele Stunden zu arbeiten. Aber später?», sagt sie. Ausserdem sei sie weit weg von ihrer Familie und vermisse diese. Just in der Zeit, als das marmite-youngster-Finale in der Hotelfachschule Zürich stattfand, bekam ihre Schwester ein Kind, weshalb die Familie die Kandidatin nicht unterstützen konnte. Verspürt Yordanova Heimweh, tröstet sie sich mit Familienrezepten. «Ich liebe den kulturellen Mix auf dem Teller», schwärmt sie, «all die mit Reis gefüllten Dinge und die einzigartigen Aromen aus dem Orient.»

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