Julia Tichy

Die eigene Heimat mit Japan verschmolzen
Vom Mystery-Warenkorb beim marmite youngster sprachen Julia Tichy die Kokosmilch und das Matchapulver auf Anhieb an. «Ich habe gerade den Matcha Latte für mich entdeckt», erzählt sie. Für ihre Wettbewerbskreation hatte die 28-Jährige Kirschen aus ihrer Heimat Vorarlberg geholt, war dafür sogar selber auf die Leiter gestiegen. Die von Hand geernteten Kirschen sind etwas kleiner, aber umso geschmacksintensiver. In ihrem Gericht verschmolz Tichy ihre Heimat mit Japan, indem sie die Kirschen in einen Sud von Yuzu, rotem Shiso und Vanille einlegte.
Viermal habe sie ihr Dessert mit dem Titel «Dahoam meets Japan» im Vorfeld geprobt und sei immer effizienter geworden, erzählt die Finalistin. Auch ihre Chefin Katrin Wagenblast, seit März 2024 Chef-Patissière im The Dolder Grand in Zürich, sei in der Vorbereitung eine grosse Stütze gewesen. «Wir sind ein eingespieltes Team», sagt Tichy, die seit zwei Jahren Sous-chefin ist. Und: «Wie Katrin das alles meistert, ist einfach unglaublich.»
Als gelernte Konditorin ist Tichy eher auf Kuchen, Macarons, Hochzeitstorten und Friandises und weniger auf Tellergerichte spezialisiert. Wenn es um eben diese geht, verfolgt sie Jonathan Pichler vom Magdalena, im Bereich der französischen Patisserie hingegen den Franzosen Cédric Grolet. Um ihre eigene Zukunft macht sich Tichy im Moment keine grossen Gedanken, da sie im Hier und Jetzt sehr glücklich ist. «Ich will mich weiterentwickeln, weil es gerade grossen Spass macht.»
Nicht nur beim Dessert für den marmite youngster ist Asien für Tichy ein Thema, sondern auch privat. «Ich könnte jeden Tag Sushi essen. Oder Fried Rice und Gemüsepfannen, wenn es zu Hause mal schnell gehen muss.» Dafür legt sie sich bei der Arbeit umso mehr ins Zeug, ein Teller muss sie zu 100 Prozent überzeugen.
Tichy lernte in Österreich Konditorin, war anschliessend ein Jahr als Gesellin angestellt und kümmerte sich um die Lernenden. Dann musste etwas passieren. «Und wenn du mal in der Haute Cuisine bist, kannst du einfach nicht mehr in eine klassische Konditorei zurück», ist sie überzeugt. Ihren Start in der Hotel-Patisserie hatte sie im Rote Wand Gourmet Hotel in Lech am Arlberg, ihr Türöffner im The Dolder Grand war Christian Hümbs.
Backen war schon vor der Lehre ihr Hobby. Obwohl sie in der Küche ab und zu auf dem Posten des Gardemanger half, gibt Tichy zu: «Die warme Küche hat mich nie gepackt.» Sie bleibt lieber beim Süssen, ist eine Perfektionistin: An der Bewerbung für den marmite youngster feilte sie bis zur letzten Minute. Und auch wenn sie optisch am Finaltag nicht 100 Prozent zufrieden war, sagt sie: «Das Ganze ist mir gut gelungen, ausser dass ich gegen Schluss eine zittrige Hand bekam. Dafür ist die filigrane Schokoladen-dekoration nicht gebrochen und die dressierte Blume wurde sehr schön.»

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