Finn Linsi

«Daheim esse ich ungetoasteten Toast»
Finn Linsis Dessert bestand aus Topinambur, Schokolade und Blutorange. Beim Training hatte er ausprobiert, ob alle Komponenten in zwei Stunden überhaupt machbar sind – und musste viele Ideen verwerfen, weil der Teig nicht aufgegangen wäre oder ein Sorbet zu viel Zeit fürs Gefrieren gebraucht hätte. Am Finaltag schliesslich war er mit dem Geschmack sehr zufrieden. «Allerdings gebe ich dem Aussehen meiner Teller nur sechs von zehn Punkten. Die Zeit rannte mir schlicht davon.»
Für Linsi ist es die dritte Teilnahme am marmite youngster: Einmal schaffte er es auf den fünften Platz, dann auf den vierten. Sein Zeitmanagement sei besser geworden, weil er aus den zwei vorhergehenden Ausgaben viel habe mitnehmen können, sagt er. Und die frühe Startzeit habe ihm als Morgenmensch entsprochen, weil er so gleich in der Küche loslegen konnte. «In der ersten Stunde habe ich richtig Gas gegeben, um dann in der zweiten einen Gang herunterzufahren.»
Mit Ausnahme von Schokolade und Blutorange verwendete Linsi Schweizer Produkte. «Alles, was hier wächst und gezüchtet wird», so der 24-Jährige. In der Vorbereitung hatte er sich auf das Üben der einzelnen Komponenten fokussiert. «Hätte ich immer das Ganze geprobt, hätte ich mich verheddert.» Derzeit ist Linsi bei der Fifa in Zürich angestellt. «Unsere Gäste lieben die französische Küche und Champagner», weiss das Nachwuchstalent. Für Abwechslung im Alltag ist gesorgt: Die Brigade kocht für Caterings, Apéros mit VIPs, Promi-Fussballern und hohen Funktionären.
Linsi arbeitet auf eine Leitungsposition hin und sieht sich künftig auf einem F&B-Posten. «Die Mischung zwischen Küche und Büro ist gut. Und ich behaupte, dass ich Menschen führen kann.» Das hat er bereits als Chef-Patissier bewiesen, als er nicht nur ausgebildete Köchinnen und Köche, sondern auch Lernende betreute.
Daheim isst Linsi minimalistisch, am liebsten ungetoasteten Toast. In den Bergen lässt er die Ausflugsbeiz links liegen, lieber macht er Trailrunning. Viel über seine Freizeit erzählt der ambitionierte junge Mann nicht, denn sie ist knapp. Linsi ist Mitglied bei der Jungen Mitte Zürich, engagiert sich bei Pro Juventute und hat ein Ziel vor Augen: «Ich will in den Nationalrat.» Zudem unterrichtet er an einer Wakeboard-Schule und verbringt bei schönem Wetter viel Zeit am Zürichsee.
Damit er alles unter einen Hut bringt, schreibt er Listen. «Ich hake gern Dinge strukturiert ab.» Struktur mag Linsi auch in der Küche und regt sich auf, wenn jemand zu spät kommt. In seiner Welt ist alles organisiert. Auch am Finaltag: Um 6.30 Uhr stand er am Bahnhof Enge, wenige Tramstationen von der Hotelfachschule Zürich entfernt. Und fühlte sich mehr als parat für den grossen Tag. Für die Küche war er schon als Kind bereit: Er liebte das Abwaschen. «Je mehr Schaum, desto mehr Spass hatte ich.»

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